Schlagwort-Archive: Rassismus

Polizeiliche Festnahme zweier POC in der Jenaer Innenstadt

Heute Mittag fand eine Festnahme von zwei Menschen in der Jenaer Fußgängerzone vor dem C&A statt. Diesen zwei Menschen, die offensichtlich nur gebrochenes Deutsch sprachen, wurde „Betrug“ vorgeworfen, weil sie im Namen eines Wohltätigkeitsvereins Geld gesammelt haben, dem sie wohl selbst weder angehören noch von dieser Kinderhilfsorganisation beauftragt wurden. Der Vorwurf des überambitionierten Azubis des Ordnungsamtes, der die beiden in Zivilkleidung aufgriff, lautete „Erschleichung“ und „Betrug“, da sie es trotz abweichender Aussage „für sich selbst nehmen“. Mit der Unterstützung zweier Polizeiwagen wurden beide „Betrüger“ mit Handschellen in getrennten Wagen festgesetzt, da einer (!) von den beiden fliehen wollte, so die Aussage der Azubis vom Ordnungsamt. Schnell bildete sich eine Menschenansammlung, als die POC offensichtlich eingeschüchtert und verstört zwischen den Polizisten festgenommen wurden, ohne dass die gesamte Situation mal infragegestellt wurde. Dass die Personen offensichtlich Angst hatten, wurde an der zögerlichen Haltung deutlich, als einer der beiden reflexhaft auf die Frage nach ihren Kontaktdaten sofort mit der Gegenfrage antwortete, ob ich von der Polizei sei.

Sich nämlich mal zu fragen, warum sie gezwungen sind, eher im Namen von Kindern Geld zu sammeln, anstatt es im eigenen Interesse tun zu können, würde am eigenen Alltagsrassismus jener Menschen rühren, die nur gaffend und mit teils befriedigter Mine daneben standen.

Bei Ideen zum weiteren Vorgehen bitte ich um Kontaktaufnahme.

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Das Tröglitzer Best-Of zum 1. Mai

Tröglitz und die das Volksfest
„Um Europa keine Mauer, um Tröglitz wär sie schlauer“

„Euer Stammbaum ist ein Kreis“

„Erster Mai, Straße frei – Tröglitz zu Kartoffelbrei“

„Wir sind hier aus purer Feindschaft – gegen eure Dorfgemeinschaft“

Zunächst ein treffender Kommentar einer Tröglitzerin: „Das ist das entsprechende Ergebnis davon, dass schon zehn mal die NPD durch den Ort gelaufen ist. Irgendwann kommen dann auch mal die Linken.“ Für einen anderen Tröglitzer schien die gestörte „Ruhe“ im Vordergrund gestanden zu haben, ihn stören schlicht die mediale Öffentlichkeit (also lieber keine Pressefreiheit…) und das urbane Treiben (…und doch ne Mauer und Inzest?), wenn mal mehr als 200 Menschen auf der Straße unterwegs sind. Wieder ein anderer projiziert dann gleich noch sein pyromanisches Verlangen auf die Demo-Teilnehmer_innen: „Wejen de Linke allet abjeblase hier, die janze Randoale, Autos anbrenn un so“, und das obwohl MDR-Info bemerkt: „Randale gab es während der Demonstration nicht“. Feuer erst recht nicht.

Ihr Maifest, das für die Demo geopfert werden musste, weshalb „alle Bürger traurig sind“, und das dazu beitragen sollte, die Dorfbewohner_innen „wieder zu einander“ finden zu lassen, musste wegen dem Trubel leider abgesagt werden. Schön, dass der Störfaktor die politische Irritation der Ruhe und Ordnung in Tröglitz ist, die durch ihren manifesten Wunsch nach einem Volksfest nur als faden- und vorscheinlich bewertet werden können, und nicht die in einem Brandanschlag gegipfelten neonazistischen Hasstiraden, welche von weiten Teilen der Bürger_innen durch Akzeptanz und Unterstützung der Anti-Heim-Kampagne mitgetragen wurden.

„Tröglitz ist kein Einzelfall – die Zone ist ein Schweinestall“


Der bestimmte Unterschied

„‚Der Rassismus beginnt erst mit der Interpretation der Unterschiede‘, sagt Memmi treffend. Für die Alltagsreligion zählt nicht, ob die rassistische Begründung aus der Biologie oder aus den Geisteswissenschaften kommt. Auf machtvolle Evidenz gegründet fragt die Alltagsangst vor dem Fremden nicht nach Stichhaltigkeit. Sie fragt nach der Autorität, die für den Unterschied bürgt. Die Autorität kann die Wissenschaft sein, die Politik, der Staat oder die massenmediale Öffentlichkeit. So gut wie nichts in der Welt geschieht aus Rassismus, aber vieles im gesellschaftlichen Leben läßt sich als Rassismus klassifizieren und mit Rassismus begründen, besonders wenn er zur anthropologischen Konstante gemacht wird.“

(Claussen, D. (1994): Was heißt Rassismus? Ein Essay. In ders. (Hrsg.): Was heißt Rassismus? Darmstadt: Wissenschaftliche Buchgesellschaft. S. 20.)


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