Schlagwort-Archive: Party

Über die Sehnsucht postindustrieller Anschmiegung freizeitlicher Lebensgestaltung an den Produktionsprozess

Dresscode

„Der wirkliche Mensch, der nicht zur Figur des mechanisierten Betriebes abgedankt hat, widerstrebt der Auflösung in Raum und Zeit.“ [1]

 
Hat einst die Elektrisierung und Technisierung der Musik auch in linken und mit einiger Verzögerung ebenfalls in linksintellektuellen Zirkeln dazu geführt, dass die vom Arbeitsfetisch affizierten, also die zutiefst orthodox-marxistischen Auffassungen gefolgte Heroisierung und Vergötterung handwerklicher Tätigkeiten – man denke nur an den DIY-Hype der 90er Jahre und seine innerlinke Punk-, Hardcore- oder Straight-Edge-Subkultur-Apologeten – entweder ganz ihr Ende fanden oder zumindest eine enorme Abmilderung erfuhren, so schlägt die Geschichte seit geraumer Zeit vollends in ihr Gegenteil um. Die Selbstoptimierung durch rigorose Drogenabstinenz in der Straight-Edge-Szene ist heute dem Bio- oder besser Neuro-Enhancement durch verschiedenste chemische Substanzen gewichen, während nur noch die „anständigen und die hässlichen Popdeutschen“ [2] hierin einen Angriff gegen das Arbeitskollektiv erkennen. Gleiches gilt für die musikalischen Vorlieben ihrer Konsument_innen, die sich – wie jüngst im Leipziger IFZ prototypisch deutlich wird – in die imitierten Fassaden von Industrieanlagen zwängen, um dort den scheinbar aus Versatzstücken des maschinellen Produktionsprozesses zusammengesetzten Geräuschen und Tönen ekstatisch dem höchsten Tempo der Musik unter wiederum düsterstem Ambiente zu folgen. Der dazu nahezu neuroleptische Tanz, welcher den Übergang von der Melodie zum puren Rhythmus vollständig vollzogen hat, ist der entsprechende Ausdruck und notwendige Folge einer „Skandierung der Zeit“. [3]

 
„Der moderne Gesellschaftstanz, dem Gefüge der in den Zwischenschichten geltenden Bindungen entfremdet, neigt zur Darstellung des Rhythmus schlechthin; statt daß er bestimmte Gehalte in der Zeit zum Ausdruck brächte, ist diese selber sein eigentlicher Gehalt. War in Epochen des Beginns der Tanz eine Handlung des Kultus, so ist er heute ein Kult der Bewegung, war früher der Rhythmus eine erotisch-seelische Bekundung, so möchte heute der sich selbst genügende Rhythmus die Bedeutungen aus sich erst lassen. Tempo, das nichts will als sich allein […]. Sie drängen danach, die Melodie zum Verlöschen zu bringen und immer länger die Karenzen auszuspinnen, die den Untergang des Sinnes bezeichnen, weil in ihnen die in der Melodie bereits angelegte Mechanisierung sich enthüllt und vollendet.[…] Seine [der Rhythmus; P3] sportliche Ausübung heute zeugt davon, daß er über die disziplinierende Bewegung hinaus nichts wesentliches Sinnhaftes meint. […] Das Abenteuer der Bewegung als solcher begeistert, das Hinübergleiten aus den normalen Räumen und Zeiten in die noch nicht durchmessenen erregt die Leidenschaft, die Vagabondage durch die Dimensionen gilt als Ideal. Dieses raumzeitliche Doppelleben könnte aber kaum mit solcher Intensität begehrt werden, wenn es nicht die Verzerrung des wirklichen wäre.“ [4]

 
„Die Mächte, die zur Mechanisierung führen, deuten über Raum und Zeit nicht hinaus. Insofern er meint, die Welt sei auf Grund mechanistischer Voraussetzungen zu erfassen, befreit er sich aus den Beziehungen zu dem Jenseitigen und bringt die Wirklichkeit zum Verblassen, die der über das Raumzeitliche hingespannte Mensch erfüllt. Dieser abgelöste Intellekt zeugt die Technik und erstrebt eine Rationalisierung des Lebens, die es der Technik zugeordnet sein läßt. Da er aber eine solche radikale Einebnung des Lebendigen nur unter Preisgabe der geistigen Bestimmung des Menschen erreichen kann, da er die seelischen Zwischenschichten verdrängen muß, um den Menschen so glatt wie ein Auto zu machen, ist mit dem von ihm geprägten maschinell-figürlichen Getriebe ein wirklicher Sinn ohne weiteres nicht zu verbinden. Das Technische wird sich darum Selbstzweck, und eine Welt entsteht, die, vulgär gesprochen, nichts anderes begehrt als die größtmögliche Technisierung alles Geschehens. Warum? Sie weiß es nicht. Sie weiß allein, daß kraft des Intellekts Raum und Zeit zu besiege seien, und gefällt sich in ihrer mechanischen Beherrschung […]. Sein Dasein (des Menschen; Anm. P3) zerfällt in eine Reihe organisatorisch geforderter Tätigkeiten, und nichts entspräche mehr der Mechanisierung, als daß er gleichsam zum Punkt sich zusammenzöge, zum nutzbaren Glied der intellektuellen Apparatur. Der Zwang, sich in dieser Richtung zu entarten, lastet auf den Menschen schlimm genug. Sie finden sich in einen Alltag hineingepreßt, der sie zu Handlangern der technischen Exzesse macht, und trotz oder vielleicht wegen der humanen Begründung des Taylorismus werden sie nicht zu Herren der Maschine, sondern maschinenhaft.“ [5]

 
Nun muss natürlich konstatiert werden, dass der Taylorismus, dem die Phänomene zu Kracauers Zeit ebenso entspringen, wie sie sich ihm wiederum im interdependenten Verhältnis anschmiegen, inzwischen aus der Zeit gefallen sind. Selbst im gegenwärtigen spätindustriellen Produktionsprozess ist ein „ganzheitlicher“, von pseudo-individuellen Tätigkeiten und Teamwork geprägter Ablauf dem punktgenauen Handgriff am Fließband gewichen, da diese Tätigkeiten vom Optimierungszwang im Rahmen des technischen Fortschritts verschlungen wurden – selbstverständlich ohne dass es dem Großteil der Menschen zu Gute gekommen wäre. Zu fragen wäre jedoch, woher das Bedürfnis rührt, das das Wiederaufleben durch die Anschmiegung an einen eigentlich überwunden geglaubten Produktionsprozess vorantreibt. In Zeiten einer „Individualisierung, wenn man so will, aber eine[r] solche[n], die auf das Individuelle gar nicht zielt“ [6], scheint ein Wunsch zu erwachen, der der falschen Individualisierung mit nostalgischer Kollektivierung antwortet, ohne dabei den durchaus bedenklichen Hang zur formellen Situativität, dem „ Abenteuer der Bewegung als solcher“, widerstehen zu können. Es scheint, als seien die „normalen Räume[n]“ vollends „durchmessen“, so dass „die Vagabondage durch die Dimensionen […] als Ideal“ weder in der räumlichen noch in der zeitlichen Achse zu überwinden sei. Die Systemimmanenz vermeintlich emanzipativer Räume verweist auch hier auf die schier endgültige Wiederkehr des Immergleichen – die Sehnsucht nach Homogenität und Authentizität. Die Eintrittskarte an der Kasse gleicht der Stechuhr, die den subjektiven Gehalt des Individuums in der Kollektivtrance versinken lässt. Es ist spätkapitalistische Ticketmentalität, keine postindustrielle diversity.

 

[1] Siegfried Kracauer (2014): Das Ornament der Masse. Frankfurt/Main: Suhrkamp. S. 43.
[2] Frank Apunkt Schneider (2014): Ärger im Identitätsparadies. Die anständigen und die hässlichen Popdeutschen. Phase2. Ausg. Frühjahr 2014 #48. S. 57ff.
[3] Siegfried Kracauer, a.a.O. S. 41ff..
[4] Ebd.
[5] Ebd.: 45
[6] Ebd.: 42

Advertisements

Arbeit ist der Fluch der trinkenden Klasse

Schluss mit lustig

„Das Individuum soll das Schöne erschaffen. Und da ich das Wort Arbeit erwähnt habe, kann ich nicht umhin zu sagen, daß heutzutage eine ganze Menge Unsinn über die Würde der körperlichen Arbeit geschrieben und gesagt wird. Es gibt überhaupt nicht zwingend Würdiges an der handwerklichen Arbeit, und das meiste daran ist absolut entwürdigend. Sie ist geistig und moralisch verletzend für den Menschen, etwas zu tun, an dem er keine Freude findet, und die meisten Formen der Arbeit sind unerfreuliche Tätigkeiten und sollten als solche betrachtet werden. Einen matschigen Bahnübergang acht Stunden am Tag zu fegen, wenn der Westwind bläst, ist eine abscheuliche Beschäftigung. Ihn mit geistiger, moralischer oder körperlicher Würde zu fegen, scheint mit unmöglich. Ihn mit Freude zu fegen, wäre abscheulich. Der Mensch ist für etwas besseres geschaffen, als Dreck aufzuwirbeln. Alle Arbeiten dieser Art sollten von Maschinen ausgeführt werden.“

(Wilde, Oscar (1895): Die Seele des Menschen im Sozialismus. In: Heist, O. (Hrsg.): Sämtliche Werke. Briefe und Essays. Bd. 6. Augsburg: Weltbild Verlag. S. 149f.)


Silvesterknall

silvester5

Wie weit der Verblendungszusammenhang „allgegenwärtiger Freiheit“ fortgeschritten ist, zeigt sich vielleicht ganz besonders bei namenlosen zeitgenössischen Philosophen. So ist der französische promovierte Philosoph Yves Mayzaud, über den es sich nicht lohnte zu schreiben, wenn er nicht ganz oben in der marktführenden Suchmaschine unter dem Suchbegriffen „Silvester“ und „Philosophie“ erscheinen würde „tief beeindruckt“ von der deutschen Tradition, dass das „Feuerwerk […] von jedem selbst abgefeuert“[1] wird. Die Gesellschaft des Spektakels, die ebenfalls aus einer französischen Feder, namentlich der Guy Debords floss, wäre um einiges besser geeignet als Mayzauds Motiv der „Explosion“, welche lediglich samtig ummantelt Legitimationsversuche der Wut bietet, die objektiv ihren Ausdruck findet. Es sind jene unterdrückten Triebregungen der erstarrten und erkalteten Bürgerlichkeit, zurückführbar auf das uneingelöste Glücksversprechen nach individuellen Erfahrungen in der gegenwärtigen Gesellschaft als Vergesellschaftung, die auf ihre Abfuhr drängen. Da man allerdings das, „was alle wissen, sich selbst ausreden muß, ehe man es den anderen ausreden kann“, muss man jedem Stuss noch das Positivste abgewinnen und jegliche Exkremente noch Schicht um Schicht mit einer neuen Goldlegierung überziehen, obwohl bereits unlängst „die vollends aufgeklärte Erde […] im Zeichen triumphalen Unheils“ erstrahlt. Hauptsache es  leuchtet, funkelt, schimmert und macht Krach. So auch zu Silvester, dessen „Explosionen“ für Mayzaud „die Zerstörung des alten Jahres dar[stellen], um den Platz für das Neue frei zu machen. Es ist schlechthin das Symbol des neuen Anfangs und der Hoffnung. Es handelt sich nicht um Etwas [sic!] Böses, sondern um die Freude mit etwas Schönem das Jahr […] anzufangen.“

Und doch hat er auf seine Art recht. Das Alte soll zerstört, die Erinnerung an den Vorjahresschmerz vernichtet werden, auf dass die tausend Stiche prompt getilgt werden, denen man täglich ausgesetzt ist, wenn man mit dem letzten Funken Vernunft Mitleid denen gegenüber empfindet, die bei minus 15 Grad Celsius auf der Straße Wegschilder für Restaurants halten, deren Preise für eine Mahlzeit den Wochenlohn der Schildhalter_innen weit übersteigen. Aber erfahrungsgemäß gewöhnt man sich an ihren Anblick ebenso schnell wie ans Getöse der Feuerwerkskörper, die uns an diesem Datum erschlagend umgeben. Der Schreck wird zum Erschrecken und schließlich vom neualten Schrein der Arbeitsgesellschaft abgelöst, der bekanntlich auch das Lagertor Buchenwalds „dekoriert“. Wenn man dann doch irritiert vom eigenen Gedanken, sich 10 vor 24 Uhr plötzlich in der Lage der/s Verkäufer_in vom Späti wiederzufinden, der/die gar nicht anders kann als mit aufgesetztem Lächeln ein frohes neues Jahr zu wünschen, und das Gefühl des Glücks, dieses Jahr aus dieser Schlinge den Kopf nochmal herausbekommen zu haben, mitleidet und dadurch mimetische Nähe erzeugt zu sein scheint, so lässt die verwaltete Welt auch hier nicht lange auf sich warten, um die Erinnerung ad hoc zu eliminieren. Wurde man mit dieser Situation plötzlich aus der Alltagstrance gerissen ist, so wird man umgehend mit Öffnen der Ladentür wieder von ihr erfasst – sei´s vom Krawall der Massen, den ohrenbetäubten Knallkörpern, den wie Sirenen heulenden Raketen oder der allumfassenden Knopfdruckfreude über den Beginn des so viel besseren neuen Jahres, für dessen Realisierung einzig die Hoffnung erhalten bleibt. Aber Silvester ist dennoch kein zeichenloses oder leeres „Symbol des neuen Anfangs und der Hoffnung“, die Zeichen deuten eine Hoffnung an, deren Verwirklichung auf einen noch wesentlich schlechteren Zustand als den bestehenden verweisen.

Zum „besinnlichen“ Weihnachten, wenn sich fromme Katholik_innen ihrer angesammelten Sünden des zurückliegenden Jahres haben vergeben, Protestant_innen sich in ihrem einzigen Kirchenbesuch des Jahres bestätigen lassen, dass sie durch ihre pausenlose „schöpferische“ Arbeitsamkeit auf dem besten Weg sind, den göttlichen Logos auf der Erde zu verwirklichen und die „Gottesebenbildlichkeit“ wie ihr Messias Jesus Christus zu erreichen, finden Familientragödien ihre Kulmination. Vielleicht sind sie insbesondere bei Atheist_innen vorprogrammiert, deren wichtigster und scheinbar einziger Bezugspunkt nach der politischen Emanzipation des Staats von der Kirche, eben dieser Brutkasten mit dem Label „bürgerliche Kleinfamilie“ ist. Zwar ist die Weihnachtszeit gewiss alles andere als „besinnlich“, so trägt sie dennoch die Beruhigung des öffentlichen Raumes in sich: Die Straßen sind leer, die Tanzlokale wissen von Jahr zu Jahr aufs Neue nicht, ob es sich denn lohnt, die Pforten zu öffnen, und der Großteil der Deutschen spielt daheim „Gesellschaftsspiele“.  Bei den Wenigsten dürfte der Fall sein, was sich dennoch alle Welt vormacht – sich vollkommen von den diversen Über-Ich-Instanzen emanzipiert zu haben, auf die man gerade zu Weihnachten doch immer wieder gestoßen wird. Das ins Kindliche zurückfallende Verhalten am familiären Weihnachtstisch, in der Vorfreude, auch als Erwachsene_r noch beschenkt zu werden und sich nicht alles verdienen zu müssen (auch wenn man sich die Sachen zuvor bereits aussuchte; auf dass der Zufall sogar im Geschenk entlassen ist), wird zum freien Willen oder wahlweise zur Anstandssache erhoben. Keine Arbeit, einzig Gehorsam und die gute Miene zu bösem Spiel sind Pflichtattitüden, um dem Glücksversprechen, dem Geschenk, ein Stück näher zu kommen: der Großmutter nicht ins Wort reden, auch wenn sie den größten Humbug von sich gibt, sich bei der Cousine über den schulischen Erfolg informieren, auch wenn einem_r selbst zu Schulzeiten alles andere wichtiger war als Unterricht und Schulnoten, oder vor den Verwandten den Tisch abzuräumen, um das Bild der sittlichen Familie zu wahren. Die sublimierten Triebe, die zu Weihnachten nur ihren extrapoliertesten Ausdruck finden, da hier unverblümt vorgeführt wird, dass die Frei- oder Urlaubszeit keine Zeit der Erholung, sondern einzig die Verlängerung des Leides eines geknickten und gescholtenen Individuums ist, dass sich doch immer bereits frei zu seiner Unfreiheit entscheidet, evozieren einen Selbsthass. Das Problem der kognitiven Dissonanz führt das Individuum meist dazu, den einfacheren Weg einzuschlagen und nach außen projizieren was ins Innere drängt. Wenn daher das wirkliche gesellschaftliche Spiel – die familiäre Hackordnung –  nicht bereits umgehend im Heimischen kollabiert und sich Ruhe und Besinnlichkeit nicht Knall auf Fall in Schall und Rauch auflösen, dann ist ihrer Triebabfuhr bereits mit dem Silvesterritual Vorschub geleistet.

So erfüllt auch Silvester seine gesamtgesellschaftliche Funktion. Hat das Individuum genauso gelernt, alles in seiner Macht stehende zu unternehmen, um seine Arbeitskraft zu erhalten – von Fitnessclub, über Saunawochenenden bis hin zu NLP-Therapien -, wie es gelernt hat, in seinem Nahkreis den Herrschaftsanspruch zugunsten der Kollektivharmonie zu bändigen, so muss es Macht dort ausüben, wo sie legitimiert oder zumindest toleriert ist. Silvester, als der zeitlich begrenzte Ausnahmezustand, fungiert bestens als psychologischer Kitt, da es den Gedanken an Herrschaft wach hält während doch jede_r der Beherrschung scheinbar entledigt sei. Die ungebändigte Wut findet mit gesetzlich legitimierten Pseudo-Waffen seine Triebabfuhr. Die Bilderproduktion, die jede_r individuell Knallende dabei erzeugt, entwirft hingegen ein Gesamtportrait, welches alles andere als harmonisch wirkt und zum Spektakel verkommt. Nach der Weihnachtsruhe wird krämpferisch die öffentliche Sphäre zurückerobert und die neutrale, blasse Welt wiederbelebt (oder besser -bebombt). Es wird Krieg gespielt, wo scheinbar keiner ist und die gesellschaftliche Verrohung wird mit der Nachahmung von Gewalt nur allzu deutlich. So wie nach Mayzaud die explosive Zerstörung des alten Jahres bereits auf die neue Ordnung verweisen soll, wird der Hass aufs Tauschprinzip zum ideologischen Umsturz hin zur racketlike community. Da aus der Perspektive der Industrie kaum noch ein humanes Fundament vorhanden ist, auf das diese zugreifen und ausschlachten kann, keine Schnulzen, keine Wunderkerzen und auch kein leichter Alkohol mehr zum Jahreswechsel, werden stattdessen die besten „fails“ des Jahres als Belustigung über fremde Unsäglichkeiten, ganze Raketenbatterien und der Hang zum Vollrausch aktiviert. Das leitende Motiv des Kulturindustriekapitels der Dialektik der Aufklärung, die Schadenfreude über den gelungenen Triebverzicht, wird nur allzu deutlich. Dort, wo keine Glückserfahrungen über Anschmiegung entstehen können, werden sie so von jenen der totalen Abgetrenntheit ausgeglichen. Da keine mimetische Bewegung mehr möglich ist, finden wir eine Mimesis der Mimesis vor. Gewalt, ohnehin jenes Moment, das Jede_r bestens kennt, wird zum Symbol des neuen Geschäfts. Hier versöhnen sich bildlich bereits „Kultur“ und „Industrie“ im Anzeichen des absoluten Wahns, der nur noch in Vernichtung umzuschlagen braucht. Die Ausgeschlossenen – Obdachlose, die in der Nacht zum Jahreswechsel nicht anzutreffen; Verkäufer_innen, die auf den Feiertagszuschlag angewiesen; oder jene Angestellte der Straßenreinigungen, die am nächsten Morgen bereits auf der Straße sind, ehe noch die ersten Hedonist_innen ans Ende ihrer Party denken, um den Anschein von Normalität zu wahren – sind nur die augenscheinlichen Anhängsel jener Maschinerie, die im Krawallexzess keine Stimme haben und bereits vorab verstummen. Die anderen messen sich mit der schwersten Munition, die sie im Supermarkt auftreiben konnten und üben sich im Straßenkampf, der keine direkten Gegner_innen hat. So wird alles und nichts zu dessen Objekt, zum leeren Signifikanten, der nur allzu schnell affektiv gefüllt werden kann. Das Hervortreten von der Vermassung wird zu Silvester mit dem verlängerten Arm des Konsums erkauft und dadurch, was sowohl jene ausgeschließt, die es sich nicht leisten können am Spiel zu partizipieren, als auch solche, die als Gefahr eingestuft werden, dem letzten verbleibenden Spaß noch den Hahn abdrehen zu können, da sie über die Macht des großen Donners verfügen.

Die Ubiquität der Herrschaft des Kapitals zeigt sich am nächtlichen Silvesterhimmel, welche sich in einem undifferenzierten Blitzchaos und alle Straßen durchschallenden Donnerschlägen widerspiegelt. In dieser Nacht beantworten die Individuen die subjektlose Dominanz mit Angst und Wut gleichermaßen. Anstatt wie einst gemeinschaftlich an einem Feuerwerk zu partizipieren, wird jede_r zur einen „One-Man-Army“, zum/r neuen heiligen Krieger_in, der/die Himmel und Erde seinem/ihrem Bilde gleichschaltet und nur darauf wartet, um die nächste Ecke seinen/ihren Endgegner zu finden. Das Heulen und Knallen der Feuerwerkskörper weckt die Rachegelüste gegenüber dem „Vater“, der, wie gerade zu Weihnachten erst schmerzlich erlebt, noch immer die Hose anhat und der viel zu lange die Lust versagte, indem er der einzige Richter über Triebbefriedigung und -versagung war. Heute, wo Gott und Vater ihre einzigartige Rolle der Öffentlichkeit längst verloren haben, und durch jede beliebige Figur ersetzt werden können, steht die Aufklärung, wie wir erst kurz vor Jahresende in Gaza wieder sahen, unmittelbar vor ihrer absoluten Grenze. Die These von Brauns zum beweglichen Vorurteil des Signifikants „Jude“[2] lässt deutlich werden, was geschieht, wenn auch hier der Vatermord erneut repersonalisiert oder vom Festtisch zu Weihnachten im eigenen Haus auf das „Haus des Anderen“ projiziert wird. Das christliche Vorurteil des Jesusmordes brauchte bekanntlich nicht lange, um zum nationalsozialistischen Ressentiment der Revolte mit Vernichtungswut gegen alles zuvor Dagewesene zu werden, dessen Inbegriff der Jude war und blieb. Wer prädestiniert ist, den Hausfrieden zu stören, ist damit hinlängst bekannt. Daher hängt auch heute, wie eh und je, die „Umwendung […] davon ab, ob die Beherrschten im Angesicht des absoluten Wahnsinns ihrer selbst mächtig werden und ihm Einhalt gebieten. In der Befreiung des Gedankens von der Herrschaft, in der Abschaffung der Gewalt, könnte sich erst die Idee verwirklichen, die bislang unwahr blieb, daß der Jude ein Mensch sei.”[3] Silvester deutet Gegenteiliges dieser zu verwirklichenden Idee an und vielleicht sollte man sich im Moment damit zufrieden geben, dass das einstige Glücksversprechen längst von der Hoffnung auf den Status Quo abgelöst wurde, der Hoffnung dass im neuen Jahr nichts sich zum Schlechteren wendet.


[2] Von Braun, Christina & Ziege, Eva-Maria (Hrsg.): Das ‚bewegliche‘ Vorurteil: Aspekte des internationalen Antisemitismus. Königshausen & Neumann.

[3]  Horkheimer, M. & Adorno, Theodor W. (1969): Dialektik der Aufklärung. Philosophische Fragmente. Frankfurt/Main. S. 179.


Anzeich(n)en versteinerter Ironie

„Tatsächlich ist das Lachen, in dem Bergson zufolge Leben gegenüber seiner konventionellen Verhärtung sich wiederherstellen soll, längst zur Waffe der Konvention gegen das unerfaßte Leben, gegen die Spuren eines nicht ganz domestizierten Natürlichen geworden.“ (Adorno, T. W. (2003): Negative Dialektik. Frankfurt/Main: Suhrkamp. S. 327f.)


Kein Platz auf der Insel

Will man einen ausgelassenen und von bösen Überraschungen freien Partyabend erleben, wählt man sich dafür meist Lokalitäten, in denen davon ausgegangen werden kann, dass Publikum, Ansichten und „Lifestyle“ der eigenen Lebenseinstellung oder zumindest jenen Erwartungen von Anerkennung und Akzeptanz entsprechen. Hin und wieder wird man dabei jedoch in den eigenen Sicherheiten irritiert, wenn das „Falsche“ in vermeintlichen „Freiräumen“ widererwartend und urplötzlich hereinbricht. An Orten, die bekannt sind für Voküs, Soli-Parties, Mobi-Aktionen oder einfach nur für „No-Name-Konzis“ und Tanzveranstaltungen mit Überlänge, sollte besonders auf Vorfälle hingewiesen werden, die kritikwürdig und demnach nur schwer zu vernachlässigen sind. Daher der folgende Beitrag.

Nebeneinander auf einer Couch sitzend – betrunken und ausgelaugt vom geschwungenen Tanzbein; mit einem netten Menschen, der seinen Kopf an meiner Schulter anlehnte – ertönte eine Stimme: „Könnt ihr Schwuchteln nicht mal die Füsze runternehmen!?“ Offenbar war der versperrte Weg, der mit zwei Schritten mehr auf der anderen Seite um den Tisch herum umlaufen gewesen wäre, das geringere Problem. Gerade eine derart schroffe Wortwahl ohne irgendeine Vorankündigung und ohne weiteren ersichtlichen Grund lässt dieses bereits ahnen. Kommentarlos machten wir Platz. „Schwuchtel“ scheint ja für einige Leute zum verbalen Standardrepertoir zu gehören und auf unnötige Stressfaktoren, insbesondere nicht in diesem Zustand und noch viel weniger mit spätpubertären, ihre Provokationsfähigkeit austarieren wollenden Typen hat man an einem ausklingenden Partyabend am weingsten Lust. Als sodann aber, nachdem die Protagonisten dieses Bühnenstücks noch nicht genug hatten und unmittelbar nebenan platzahmen, um offenkundig in unsere Richtung ihre Hasstiraden „Widerlichkeit“, „schwule Sau“ sowie „Geht wenigstens nach Hause, da stört ihr Keinen“ fortsetzten, waren jedwede Missverständlichkeiten ausgeräumt und zugleicht alle politische Frustrationstoleranz schlagartig ausgeschöpft. Gerade dass die vorgefundene Situation – zwei Menschen lediglich nah nebeneinander sitzend – unter heterosexuellem Blick gewiss keinerlei Aufruhr erregt hätte, wären es nicht zwei männlich eingelesene Personen gewesen, die zu stören scheinen, zeigt erst die penibel genaue Fokussierung  darauf auf, „falsche“ Sexualität von vermeintlich richtiger unterscheiden zu müssen. Es bezeugt, welche politische Wirkmacht Weltbilder in Bezug auf die Identitätsbildung entfalten und mit welch starkem Aggressionspotential diese besetzt und als Unumstöszliches durchgesetzt werden. Als jene pöbelnden Personen, insbesondere der Hauptdarsteller, auf ihre offen homophobe Diskriminierungsweise angesprochen wurden, stellte sich nicht etwa jenes ein, was man einen Diskurs bezeichnen und was man in linken Kontexten erwarten könnte. Nein, vielmehr trat etwas zutage, was als Naturrechtsparadigma zu verstehen ist: die sofortige Bereitschaft, die eigene Wahrheit gewaltsam verteidigen zu müssen, als hinge das gesamte organische Leben an ihr. Anstelle einer inhaltlichen Auseinandersetzung zu seinem offenkundigen Problem evozierte sich sogleich die nackte Rohheit: von verbalen Entgleisungen bis hin zur Aufforderung, dies wie „Männer“ mit Fäusten auszutragen. Beängstigend war jedoch nicht nur, auch wenn dieses unlängst reichte, dass diese Einstellungen in einem solchen Rahmen überhaupt das Tageslicht erblicken können, sondern vor allem jener scheinbare ideologische Konsens der sich nach und nach einmischenden Menschen sowie die schiere Gleichgültigkeit derer, die beobachtend drumherum saszen ohne es für nötig zu halten, Postion zu beziehen und sich zu involvieren. Grund zur Besorgnis bereitete der Versuch einiger Menschen (der Konsensualist_innen), das homophobe Verhalten unter Verweis auf den Alkoholkonsum zu rechtfertigen, wobei jeder weisz, dass dieser gerade ein Indikator für das Sinken von Hemmschwellen und damit der Entäuszerung von Worten ist, deren Mut sonst fehlt. Zumal das Alkoholargument spätestens in jenem Moment obsolet wurde, in welchem das „Alkoholopfer“, das durch seine klare und bestimmte Artikulationsweise alles andere als betrunken wirkte, kurz bevor es sich der Situation entzog (da es merkte, dass zumindest die gewaltsame Auseinandersetzung trotz seines „Bodyguards“ zunehmend weniger erfolgsversprechend wurde), offen kundtat, „Schwuchteln zu hassen“. Aber auch damit rissen Rechtfertigungs- und Legitimationsversuche trotz der Abwesenheit der Protagonisten nicht ab: von Aussagen, die darauf abzielten, ihn verteidigen zu müssen, weil er ein Freund sei, auch unabhängig von seinen Äuszerungen (In einer Freundschaft darf man den/die Befreundete_n also nicht kritisieren?); über solche, die seine politische Arbeit gegen Rassismus lobten (Also balancieren sich diese Querschläge durch ein Gegengewicht wieder aus?); bis hin zur Aufforderung, „nicht alles ernst nehmen zu sollen“. Als ob das Ausüben von Kritik als Betroffener, wenn man schon keine Unterstützung von auszen erfährt, nicht berechtigt sei und man lieber Täter- und Opferschaft verkehrt, damit keine eigene Position bezogen werden muss. Völliges Unverständnis trat zudem ein, als sich am Ende der Diskussion herausstellte, dass die zu „Tätern“ gewordenen nicht einmal generalisierbar als „homosexuell“ im geläufigen Jargon etikettierbar sind. Das foucaultsche Verständnis von Homosexualität als Lebensform, in der weder Sexualität noch Geschlecht eine Rolle für die Form der Beziehung zu spielen haben, sei hier vernachlässigt. Die Unstimmingkeit schien in der Frage der Solidarität zu liegen. Wie kann man sich mit diskriminierten Personen und Gruppen solidarisieren, wenn man nicht einmal direkt betroffen ist – also „nur“ die Diskriminierung selbst zu kritisieren, weil sie für irrational gehalten wird?

In den meisten Kontexten, in denen man Irrationalismus und soziale Rohheit zumindest potentiell erwartet und man demnach nicht überrascht ist, wenn sich derartiges ereignet, verbleibt der eigene pädagogische bzw. politische Anspruch nicht selten für jene Situationen in Reservehaltung, in denen sich Aufwand und Diskussion lohnen. Es wäre schade, wenn auch auf dieser Insel das Gefühl entstünde, mit der Kritik an Exklusionsformen alleine da zu stehen und fehl am Platz zu sein, nur weil es nicht das unmittelbare Problem der Anwesenden zu sein scheint, sich ihnen anzunehmen.


Musik, Drogen und heitere Gesellschaft

Ein kurzer Partybericht als Wochenendreflexion.

Freie Bahn auf der Autobahn, trotz 120 km/h nach 1,5 h bereits am vorläufigen Ziel, ein nichteingemeindeter 20.000 Seelenort im Südosten Berlins. Kaum angekommen, trafen wir zwei recht nette Menschen, von denen uns der eine sofort noch kurz in seine Wohnung bat, da sie noch nicht ganz fertig für die Weiterfahrt zum Festival seien – ein ehemaliges Weltfest mit Goa-Sound, ursprünglich als Alternative zur Loveparade gedacht. Inzwischen zur Elektrogroßveranstaltung geworden, die mit angesagten Szene Dj´s u.a. aus dem KaterHolzig auffährt, dem angesagtesten Sub-Elekto-Schuppen Berlins, hervorgegangen aus der Bar25, die laut „Tarantino“ keinesfalls zumachen durfte und der daher ihren Fortbestand finanziell sicherte, wie mir voller Stolz über den Ruhm der lokalen Szene von einem der beiden Menschen erzählt wurde. Groszartige Kausalkette. Dergleiche erwähnte kurz darauf, nachdem wir in seinem Zimmer bei netten Aufwärmbeats saszen, zu denen im Hintergrund tonlos die neusten Ereignisse aus Norwegen von Phönix übertragen wurden, dass er auf Arbeit als Mechatroniker einer Vertragswerkstadt „auf Leistung arbeitet“, also „so viel zu tun ist, dass er locker 80 h die Woche arbeiten könnte und es gelegentlich auch macht, da zu wenig derart ambitionierte und fachlich gute Mitarbeiter vor Ort sind, um die Kunden zu befriedigen“. So viel Altruismus und Selbstlosigkeit bezüglich eigener Bedürfnisse ist mir in letzter Zeit kaum zu Ohren gekommen, aber so dachte ich mir, dass sie ja vielleicht ihren Kommunismus in ihrer „freien Zeit“ auszuleben versuchen: Mit Musik, Drogen und in heiterer Gesellschaft.

Nach Ankunft auf dem Festivalgelände, einer kurzen Vorstellung bei dem Rest der Crew, einem Schein-Wandel von einer in die nächste Hand und für jeden eine Vodka-Mate gings dann mal los: zur Musik? Nein, zurück ins Auto: die Waren müssen ja nicht nur gekauft, sondern auch konsumiert werden… alles andere ist zu kapitalistisch; die Scheine werden ja auch nicht zur erneuten Reinvestition verwendet, sondern nur als Röhrchen zum ziehen. So kommen auch schon mal 50€ weg. Aber es ist ja sowieso alles für alle, wenn auch nicht umsonst. Das war der Beginn eines stündlichen Wachhalte-Zyklus. (Aus-)Schlafen, Ruhe, Gemütlichkeit? – forget it!  Man sollte meinen hier wird ebenso auf Leistung gefeiert, wie auf Arbeit malocht. Und um dieses Ziel zu erreichen und aus den 32€ Eintritt effizient das beste Ergebnis herauszuholen, wurde ganz im Stil des Prozessmanagements der Rausch getaktet. Pausen wurden, genau wie in „guter Arbeitsmoral“ missbilligt und durch stupides Nachfragen nach Gründen (Wie wär´s mit Müdigkeit?! Und wozu die Rechtfertigung?!) sozial sanktioniert. Selbstbestimmung und akzeptierte Diversität ist definitorisch was anderes: das ist nichtmal „Freizeit-“ oder besser „Ferienkommunismus“, wie auf der „Fusion“ propagiert, auf die sich aber durchweg positiv bezogen wurde. Mit jeder Speedrunde erhöhte sich auch die Geschwindigkeit der Nonsenskonversationen. Soziale Beschleunigung – die Zahl der Handlungserfordernisse steigt beständig pro Zeiteinheit: schneller reden, mehr tanzen und nicht vergessen nachzuziehen; das Ende naht und es ist noch so viel zu tun..! Folge: die Gesprächsthemen verbleiben in der Stagnation dessen, was man eh zu tun hat: bei den leistungssteigernden Chemikalien. Warum die Zeit damit verschwenden, dass man hier unter Zeitdruck und bis über die physischen Grenzen „abschalten“ muss, wenn man sich ausgehend von den Alltagsbegriffen mit deren spiegelbildlichen Umkehrung zufrieden geben kann? Leistung, Geschwindigkeit, Druck und Fremdbestimmung, alles bekannt, internalisiert und institutionalisiert. Warum also den Ritus brechen? Entzug und Subversion scheint zwecklos, gerade wenn man mit der Zeit die Lust verloren hat, sich über das Wetter, selbsternannte Platzwächter und die „Keta´s“ auszutauschen; die Wiederkehr des Immergleichen. Eine Spirale, die sich zunehmend in präzivilisatorische Tiefen der Regression gräbt und mit homophoben und sexistischen Äuszerungen ein Beispiel bietet, dass barbarische Rückfälle phylogenetisch längst nicht obsolet geworden sind, auch hier nicht in dieser liberalen und toleranten Subkultur, die „soweit weg ist von der bürgerlichen Realität“.

Erstaunlich ist auch, dass es immer noch eine soziale Gruppe gibt, über die man seinen Missmut kundtun kann. So wie man sich als jemand, der über den Abend ein paar Vodka-Mate getrunken und gelegentlich vielleicht mal einen Dübel geraucht hat, fast wie ein „Straighty“ unter den „Speedies“ vorkommt, so werden die Grenzen der Verschiedenartigkeit sowohl nach „unten“ wie auch nach „oben“ klar gezogen: „Stell´ dir vor, da wollte einer MDMA für Keta tauschen. Völlig durch!“ Die Position in der gesellschaftlichen Hierarchie ist klar, es gilt sie zu verteidigen, Abgrenzung durch Anpassung. So wird es wohl den meisten hier ergangen sein, die das Problem der Negation der Identifikation nicht als prozessual sehen, sondern die ihre Identität „gefunden“ zu haben scheinen: auch die Nichtsubversion oder scheinbare Subversion ist zutiefst politisch – positivistisch zu den bestehenden Verhältnissen. So bleibt als Wermutstropfen lediglich der Schwall in einstmaligen Zeiten, wie ein dort ausgehängtes Plakat für eine lokale Elektroveranstaltung in Berlin es nicht besser hätte auf den Punkt bringen können. In knallend dunkelroter Schrift war über einer Sonnenliege, die im Hintergrund zu erkennen war, zu lesen: „Als wir noch politisch waren“.

Zutreffend.


%d Bloggern gefällt das: