Schlagwort-Archive: Lukács

Geeigneter Ideologe

„gerade wegen seiner moralischen und intellektuellen Minderwertigkeit ist Rosenberg zum geeigneten Ideologen des Nationalsozialismus geworden“

(Lukács, G. (1984): Die Zerstörung der Vernunft. Der Weg des Irrationalismus von Schelling zu Hitler. Berlin/Weimar: Aufbau-Verlag. S. 9.)

Advertisements

Das Festhalten am irrationellen Charakter der klassischen deutschen Philosophie

„Die Großartigkeit, die Paradoxie und Tragik der klassischen deutschen Philosophie besteht nun darin, daß sie nicht mehr — wie noch Spinoza — jede Gegebenheit als nichtseiend hinter der monumentalen Architektur der rationalen, vom Verstand erzeugten Formen verschwinden läßt, sondern im Gegenteil den irrationellen Charakter der Gegebenheit des Begriffsinhalts begreift, an ihm festhält, jedoch über diese Feststellung hinaus, sie überwindend, das System aufzurichten bestrebt ist. Es wird aber bereits aus dem bisher Ausgeführten klarwerden, was das Problem der Gegebenheit für das System des Rationalismus bedeutet: daß die Gegebenheit unmöglich in ihrem Da-Sein und So-Sein gelassen werden darf, denn hier bleibt sie in unaufhebbarer Weise »zufällig«, sondern in das rationelle System der Verstandsbegriffe restlos eingearbeitet werden muß. Auf den ersten Anblick scheint hier ein ganz unlösbares Dilemma vorzuliegen. Denn entweder geht der »irrationelle« Inhalt restlos in das Begriffssystem auf, d. h. dieses ist geschlossen und auf alles anwendbar so zu konstruieren, als ob es keine Irrationalität des Inhalts, der Gegebenheit höchstens als Aufgabe im oben angedeuteten Sinne) gäbe, dann fällt das Denken auf die Stufe des naiv-dogmatischen Rationalismus zurück: es betrachtet in irgendeiner Weise die bloße Faktizität des irrationellen Begriffsinhalts als nichtseiend. (Mag auch diese Metaphysik sich in die Formel kleiden, daß diese Inhaltlichkeit für das Erkennen »irrelevant« ist.) Oder es ist gezwungen, anzuerkennen, daß die Gegebenheit, der Inhalt, die Materie in die Formgebung, in die Struktur der Formen, in die Beziehung der Formen aufeinander, also in die Struktur des Systems selbst bestimmend hineinragt, so muß das System als System aufgegeben werden“
Lukács, G. (1923) Die Verdinglichung und das Bewußtsein des Proletariats. In: ders. (1985): Über die Vernunft in der Kultur. Ausgewählte Schriften 1909 – 1969. Leipzig: Reclam. S. 252.


%d Bloggern gefällt das: