Karl Marx, der erste Antideutsche

"...steht das Kapital"

„…steht das Kapital“

 

Karl Marx (MEW 3: 177) beschreibt die Entwicklung Deutschlands im 18. und 19. Jahrhundert als „Ohnmacht, Gedrücktheit und Misère der deutschen Bürger, deren kleinliche Interessen nie fähig waren, sich zu gemeinschaftlichen, nationalen Interessen einer Klasse zu entwickeln, und die deshalb fortwährend von den Bourgeois aller andern Nationen exploitiert wurden. Diesen kleinlichen Lokalinteressen entsprach einerseits die wirkliche lokale und provinzielle Borniertheit, andrerseits die kosmopolitische Aufgeblähtheit der deutschen Bürger.“ Politisch untermauert Marx diese Aussage u.a. mit der deutschen Kleinstaatlichkeit, in der sich nach den Bauernkriegen „reichsunmittelbare Duodezfürsten […] allmählich eine ziemliche Unabhängigkeit verschafften und die absolute Monarchie im kleinsten und kleinstädtischsten Maßstabe nachahmten.“ Ökonomisch verweist Marx auf den ebenfalls derart zersplitterten Ackerbau. „Der Zersplitterung der Interessen entsprach die Zersplitterung der politischen Organisation, die kleinen Fürstentümer und die freien Reichsstädte. Wo sollte die politische Konzentration in einem Land herkommen, dem alle ökonomischen Bedingungen derselben fehlten? Die Ohnmacht jeder einzelnen Lebenssphäre (man kann weder von Ständen noch von Klassen sprechen, sondern höchstens von gewesenen Ständen und ungebornen Klassen) erlaubte keiner einzigen, die ausschließliche Herrschaft zu erobern. Die notwendige Folge davon war, daß während der Epoche der absoluten Monarchie, die hier in ihrer allerverkrüppeltsten, halb patriarchalischen Form vorkam, die besondre Sphäre, welcher durch die Teilung der Arbeit die Verwaltung der öffentlichen Interessen zufiel, eine abnorme Unabhängigkeit erhielt, die in der modernen Bürokratie noch weiter getrieben wurde. Der Staat konstituierte sich so zu einer scheinbar selbständigen Macht und hat diese in andern Ländern nur vorübergehende Stellung – Übergangsstufe – in Deutschland bis heute behalten. Aus dieser Stellung erklärt sich sowohl das anderwärts nie vorkommende redliche Beamtenbewußtsein wie die sämtlichen in Deutschland kursierenden Illusionen über den Staat“ (MEW 3: 178).

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Angst und Entbehrlichkeit

„Die Degradierung der Einzelnen zu bloßen Reaktionszentren, die auf alles ansprechen, bereitet zugleich ihre Emanzipation vom zentralen Kommando vor. Auch die perfekten Waffen, die der Bürokratie zur Verfügung stehen, vermöchten die Veränderung nicht dauernd abzuwehren, hätten sie nicht eine andere als bloß unmittelbare Kraft. Ihre Angst hat sich im Individuum historisch konstituiert. Es gibt eine Verstärkung der Angst über die Todesangst hinaus, vor der es sich wieder auflöst. Die Vollendung der Zentralisation in Gesellschaft und Staat treibt das Subjekt zu seiner Dezentralisation. Sie setzt die Lähmung fort, in die der Mensch durch seine steigende Entbehrlichkeit, durch seine Trennung von der produktiven Arbeit, durch das dauernde Zittern um die erbärmliche Notstandshilfe im Zeitalter der großen Industrie bereits geraten war.“

(Horkheimer, M. (1942): Autoritärer Staat. In: Schmid Noerr, G. (Hg.): Gesammelte Schriften. Bd. 5. Frankfurt/Main: Fischer. S. 316.)


Zum Zusammenhang von Autoritarismus, Staatskapitalismus und Corporate Identity

„Die Arbeit als Beruf: als Plackerei, wie die Vergangenheit sie einzig kennt, wurde kaum mehr in Frage gestell. Sie wurde aus des bürgers  Zierde zur Sehnsucht der Erwerbslosen.Die großen Organisationen förderten eine Idee der Vergesellschaftung, die von der Verstaatlichung, Nationalisierung, Sozialisierung im Staatskapitalismus kaum verschieden war. Das revolutionäre Bild der Entfesselung lebte nur noch in den Verleumdungen der Konterrevolutionäre fort. Wenn überhaupt die Phantasie sich vom Boen der Tatsachen entfernte, setzte sie an die Stelle der vorhandenen staatlichen Apparatur die Bürokratien von Partei und Gewerkschaft, an Stelle des Profitprinzips die Jahrespläne der Funktionäre. Noch die Utopie war von Maßregeln ausgefüllt. Die Menschen wurden als Objekte vorgestellt, gegebenfalls als ihre eigenen.“

(Horkheimer, M. (1942): Autoritärer Staat. In: Schmid Noerr, G. (Hg.): Gesammelte Schriften. Bd. 5. Frankfurt/Main: Fischer. S. 295.)


Wertkritischer „Labeling Approach“

„Ideologie kann die objektive Dynamik des „automatischen Subjekts“ nicht stoppen oder in eine andere Richtung lenken. Als eigenständiges Moment kann sie aber die tatsächlichen Verlaufsformen mitbestimmen und manchmal sogar entscheidend prägen. So bildete sich die nationalsozialistische „deutsche Volksgemeinschaft“, in deren Zentrum Auschwitz stand, zwar vor dem Hintergrund der großen Krise in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Dennoch waren der Nationalsozialismus und seine Verbrechen kein objektives Resultat der Krise, sondern ein Produkt subjektiven ideologischen Willens der Deutschen. Dieser Wille manifestierte sich gleichzeitig keineswegs jenseits der Logik des Werts. Im Gegenteil: Das auf dem Weltmarkt reüssierende Nachkriegsdeutschland konnte von der fordistischen Modernisierung des Nationalsozialismus profitieren. So drückte die NS-Ideologie der realen Geschichte von Krise und Modernisierung in Deutschland ihren unverwechselbaren Stempel auf und legte eine in dieser Entwicklung enthaltene „äußerste Möglichkeit“ offen. Kritische Theorie ist deshalb heute nur noch als kritische Theorie nach Auschwitz formulierbar.“

http://www.exit-online.org/text.php?tabelle=selbstdarstellung


Geeigneter Ideologe

„gerade wegen seiner moralischen und intellektuellen Minderwertigkeit ist Rosenberg zum geeigneten Ideologen des Nationalsozialismus geworden“

(Lukács, G. (1984): Die Zerstörung der Vernunft. Der Weg des Irrationalismus von Schelling zu Hitler. Berlin/Weimar: Aufbau-Verlag. S. 9.)


Anglizismen verriegeln Deutschen das Maul

„Anglizismen waren die vielleicht größte kulturelle Errungenschaft des Nachkriegs, auch weil sie dem Denken neue Möglichkeiten eröffneten. Dass Sinn zum Beispiel gemacht und nicht bloß gehabt werden konnte, bereicherte die deutsche Sprache um einen Sinn, der nicht – wie der alte deutsche – vom Urgrund der Dinge heraufgebaggert werden musste, sondern prozesshaft war, demokratisch, materialistisch und nicht-essentialistisch. Dass sie die in der Sprache kondensierte deutsche Ideologie auflöst, führt noch immer zu breit aufgestellten Querfrontbildungen gegen die sprachliche Überfremdung. Die sprachpolitische Volkshygiene wird dem Angmizismus wohl nie verzeihen, dass er der deutschen Sprache das Deutsche ausgetrieben hat und mit ihr den ‚deutschen Horror, der am Grund ihres Wesens abgespeichert lag'“.

(Frank Apunkt Schneider: „Deutschpop, halt’s Maul“)


Polizeiliche Festnahme zweier POC in der Jenaer Innenstadt

Heute Mittag fand eine Festnahme von zwei Menschen in der Jenaer Fußgängerzone vor dem C&A statt. Diesen zwei Menschen, die offensichtlich nur gebrochenes Deutsch sprachen, wurde „Betrug“ vorgeworfen, weil sie im Namen eines Wohltätigkeitsvereins Geld gesammelt haben, dem sie wohl selbst weder angehören noch von dieser Kinderhilfsorganisation beauftragt wurden. Der Vorwurf des überambitionierten Azubis des Ordnungsamtes, der die beiden in Zivilkleidung aufgriff, lautete „Erschleichung“ und „Betrug“, da sie es trotz abweichender Aussage „für sich selbst nehmen“. Mit der Unterstützung zweier Polizeiwagen wurden beide „Betrüger“ mit Handschellen in getrennten Wagen festgesetzt, da einer (!) von den beiden fliehen wollte, so die Aussage der Azubis vom Ordnungsamt. Schnell bildete sich eine Menschenansammlung, als die POC offensichtlich eingeschüchtert und verstört zwischen den Polizisten festgenommen wurden, ohne dass die gesamte Situation mal infragegestellt wurde. Dass die Personen offensichtlich Angst hatten, wurde an der zögerlichen Haltung deutlich, als einer der beiden reflexhaft auf die Frage nach ihren Kontaktdaten sofort mit der Gegenfrage antwortete, ob ich von der Polizei sei.

Sich nämlich mal zu fragen, warum sie gezwungen sind, eher im Namen von Kindern Geld zu sammeln, anstatt es im eigenen Interesse tun zu können, würde am eigenen Alltagsrassismus jener Menschen rühren, die nur gaffend und mit teils befriedigter Mine daneben standen.

Bei Ideen zum weiteren Vorgehen bitte ich um Kontaktaufnahme.


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