What´s it all about?

Der Anspruch des vorliegenden Blogs ist es, sich den Möglichkeiten selbstverwirklichenden Lebens anzunähern. Die Verwirklichung eines solchen Lebens ist ein immanent politischer Prozess – denn nichts steht außerhalb des Politischen: Jedes Verhalten, jede Handlung im Zusammenhang (un)bestimmter Zustände ist zugleich Anerkennung von und Positionierung zu diesen – also ein wertender Akt; und jede dieser Wertungen ist eine Positionierung zu dem Verhalten und den Wertungen anderer.
Wenn Gesellschaftlichkeit bzw. die soziale Welt nach dem eigenen Empfinden falsch verfasst ist, ist es doch immer noch die zwar zuwiderlaufende, dennoch aber unentrinnbare Gesellschaft, in der wir verfasst sind und wir sind vielleicht in besonderem Maße dazu verpflichtet, ihre Politik, ihre Wertungen und inhärenten Reproduktionsmechanismen zu kritisieren. Dabei tritt der Begriff des Politischen meist in der Vorstellung der Politik einer Gemeinschaft, d.h. eines Staates, einer Nation und damit letztlich einer Abstammungsgemeinschaft auf. Gegen diese konkreten Bindungen an die Vorfahren, die Nation, die Natur des Menschen oder ähnliches gilt es, Position zu beziehen: Position für eine Vorstellung der Unbedingtheit selbstverwirklichender Existenz, die sich entgegen einer Festschreibung auf biologistische oder seinsmäßige Eigenschaften und Werte in ihrem Vollzug in der Welt und ihrem Austausch mit Anderen erfährt.
Aus dieser Erkenntnis heraus ist es in den gegebenen gesellschaftlichen Verhältnissen für uns notwendig, die Einlösung des Anspruchs der aufgeklärten, bürgerlichen Gesellschaft nach größtmöglicher Abstraktion vom Konkreten – von ausschließenden Familiarismen und biologistisch begründeten Wertungen – zu verteidigen und zu erkämpfen. Dies gilt in dem Wissen, das dieses Allgemeine die Verabsolutierung gegenüber dem Besonderen als Drohung immer enthält, und so im Widerspruch zu Verhältnissen steht, die die Individualität und die freie Entfaltung der/des Einzelnen ermöglichen. Dieser Widerspruch ist jedoch nicht in einer Aufhebung im Konkreten, dem Rückfall hinter die bürgerlichen Errungenschaften, zu lösen, wie sie beispielsweise in völkischen bzw. religiös-fundamentalistischen Vorstellungen angestrebt wird.
Unser politisches Ziel ist also der Diskurs, der es fernab jeglicher essentialistischen und anthropologischen Konstanten ermöglichen soll, sich an ihm zu beteiligen, eigene Bedürfnisse, Wünsche, Hoffnungen und Ängste zu äußern, sowie Einwänden und Kritik an den sich umgebenden Umständen in konkreten Konstellationen Ausdruck zu verleihen oder es für jene tun, die durch die gesellschaftliche Konstitution dem Verdacht unterliegen, dieses nicht selbst leisten zu können. Uns ist dabei jedoch bewusst, dass die „größtmögliche Abstraktion“ stets die Gefahr enthält, in ein neues Konkretes umzuschlagen.
Bei den politischen Auseinandersetzungen um ausgeschlossene oder diskriminierte Identitäten – d.h. hier zunächst die Feststellung auf ein bestimmtes ist-so-und-so, auf bestimmte Eigenschaften, Verhaltensweisen usw. – werden meist eben diese Identitäten mobilisiert und umgewertet, um das hierarchische Gefälle zwischen den Identitäten aufzubrechen. Diese Umwertung stellt die gesellschaftlich marginalisierten Identitäten ebenso fest, wie es die Gesellschaft tut. Damit ist das Problem, dass Individuen in Identitäten festgeschrieben werden, die ihre freie Entfaltung verhindern, nicht gelöst – Emanzipation wäre erst die Neutralisierung des Identitätskonzepts selbst. Dennoch kann die Befreiung nicht unmittelbar die Neutralisierung erwirken, diese wird erst durch eine Umwertung, den Aufbruch und die Umkehrung der klassischen Gegensätze und das Erschüttern des hierarchischen Systems selbst möglich. Daher finden sich nahezu alle emanzipatorischen Kämpfe um Identität in dem Spannungsverhältnis zwischen dem Aufbrechen hegemonialer Identitätskonzepte und der Produktion eigener, neuer, ebenfalls hierarchischer, feststellender Identitäten. Eine auf selbstverwirklichendes Leben zielende Politik muss sich dieser Spannung aussetzen und sie reflektieren.
In der Gänze politischen Handelns findet sich dieser Widerspruch: Alle Bedingungen kollektiven Zusammenlebens arbeiten gegen ein gesellschaftskritisches Selbstverständnis: Unmittelbarkeit, Bedingungslosigkeit, Abgeschlossenheit, emotionale Bindungen – Inklusion. Sie alle schaffen ein neues konkretes Etwas, dem ein neues Außen kategorisch anhaftet – Exklusion. Eine ideale Gesellschaft ist also eine, deren Namen wir nicht nennen, dessen Gedanken wir dann nicht mehr fassen müssen, da die Abstraktion selbst aufgelöst ist. Ohne Angst verschieden sein zu können, Andere als Andere anerkennen zu können, kommt diesem (Noch-)Gedanken schon recht nahe. Solange eröffnen wir den Diskurs und brechen mit allem Gegebenen, dessen Kategorien uns und allen von uns erkannten Situationen zu eng erscheinen…

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One response to “What´s it all about?

  • M

    Huhu nur so am Rande:
    „What it’s all about?“ heißt so viel wie „Worum es hier geht?“.
    Besser wäre „What’s it all about?“ wenn du fragen möchtest „Worum geht es hier?“

    Ich hätts dir persönlich gesagt aber ich stoß mich immer nur dran wenn ich es sehe und vergesse es dann wieder.

    M.

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