Glänzend deutsches Silbertablett der Solidarität

Gruppe_gegen_imperialistische_Aggressionen_MA_2

Als Person, die selbst auf dem ersten ‚Fest der Solidarität‘ in der Neckarstadt-West zugegen war und dort vom zentralen Protagonisten der ‚Gruppe gegen imperialistische Aggressionen Mannheim‘ (GGIA) und seinen mitgebrachten Hamburger Jugendwiderstands-Kampfhünd*innen verbal attackiert und mit Gewaltandrohungen konfrontiert wurde, bin ich sehr froh über das hier gezeigte politische Engagement der IL Rhein-Neckar.

Zwar konnte beim Fest unter Bezug auf die formalen Anmeldungsmodalitäten der Info-Stände (es wurde in den besagten „heftigen Diskussionen“ zentral mit der Nichtanmeldung der GGIA argumentiert) die GGIA letztlich zum Abbau bewegt werden. Leider ließen jedoch einige der beteiligten Gruppen und Organisationen die in dieser Situation notwendige Nachdrücklichkeit und auch im Nachgang ein adäquates Problembewusstsein vermissen. Ich kann daher die Einschätzung der IL, dass „[v]iele der Anwesenden […] trotz oder gerade wegen des Titels des Festes mit dieser Gruppierung keine gemeinsame Sache machen“ wollten und dass auf dem Fest eine entsprechende Klarstellung erfolgte, kaum teilen. Außerdem wende ich mich nicht nur ‚formal‘ gegen die Umtriebe der GGIA, die sich in dieser Logik auf dem nächsten ‚Fest der Solidarität‘ problemlos in ‚solidarischer Gesellschaft‘ wähnen könnte, würde sie sich schlicht ordnungsgemäß anmelden, sondern zugleich dezidiert inhaltlich gegen den von der GGIA im Deckmantel sog. Islamophobie- und Zionismuskritik vielseitig gezeigten Antisemitismus. Dieser äußerte sich bisher in zahlreichen Facebook-Postings: So stellte ihr zentraler Protagonist auf seinem eigenen Facebook-Account am 11.05.2018 ein Bild, in dem die bekannte Szene aus dem Film Schindlers Liste, die den Kommandanten des Konzentrationslagers Płaszów, Amon Göth, dabei zeigt, wie dieser von seinem Balkon der am Lager angrenzenden Villa aus willkürlich auf KZ-Häftlinge zielt und schießt, Israelischen Soldaten gegenüber – kommentiert mit der Frage: „What ist the difference between the Nazis shooting unarmed Jews, and the Israelis shooting unarmed Palestinians?“ In einem anderen Posting vom Facebook-Gruppenaccount der GGIA wurde am 28.06.2018 wurde ein Beitrag geteilt, in welchem die Israelische Politik als „Faschistische Barbarei“ bezeichnet wird. Die Liste allein der antisemitischen Hasstiraden ließe sich noch deutlich verlängern (mal ganz zu schweigen vom maoistischen und stalinistischen Identitätskult). Wer womöglich in diesen direkten geschichtsrevisionistischen und holocaustrelativierenden Bildern (à la ‚Israelis/Juden sind die neuen Nazis‘ bzw. ‚Gaza als Freiluft-KZ‘) noch keinen Antisemitismus zu erkennen vermag, der*dem sollte spätestens das von der IL schon dargelegte Posting zur Gewalt- bzw. Morddrohung gegen den Arbeitskreis gegen Antisemitismus und Antizionismus Mannheim aufhorchen lassen.

Allerdings sollte die Kritik nicht erst dort beginnen, wo uns nahestehende Personen oder Gruppen mundtot gemacht oder gewaltsam angegriffen werden, sondern bereits, wenn die Vorstellung einer solidarischen und emanzipatorischen Gesellschaft bedroht wird. Jene kurzsichtigen Menschen, die Antisemitismus nicht zu erkennen vermögen, selbst wenn er, wie im Falle der GGIA, auf einem deutsch-glänzenden Silbertablett serviert wird, sei dringend empfohlen, das nächste Mal Veranstaltungen, wie jene im IL-Artikel angesprochene gemeinsame Veranstaltungen vom Arbeitskreis gegen Antisemitismus und Antizionismus Mannheim und von INPUT MA/HD im Rahmen des JUZ-Jubiläums, zu besuchen. Dort wurden nämlich einerseits am Beispiel des Workshops zum NSU-Komplex mögliche Allianzbildungen unter von rassistischer und von antisemitischer Gewalt bedrohten Menschen, also solidarische Praktiken innerhalb der falschen Gesellschaft thematisiert. Andererseits wurde mit der Podiumsdiskussion ‚Zwei jüdische Perspektiven auf die Protestbewegungen rund um 1968‘ der Versuch unternommen, in der Geschichtsschreibung der deutschen Linken eher marginalisierte Positionen von linken Jüd*innen und historische Entsolidarisierungen auf eben jenes vermeintlich linke, aber zutiefst deutsche Tableau zu bringen. All das sollte zeigen, dass Solidarität eben nicht nur „keine Einbahnstraße“ ist, sondern obendrauf auch einiger Aufklärung und entsprechend nachdrücklicher Haltung bedarf.

Dennoch zeigt die IL mit diesem Artikel und ihrem Engagement zum Fest selbst wesentlich mehr Rückgrat als nicht unbeachtliche Teile der Mannheimer Linken. Vielen Dank dafür.

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