Mode als Aktualitätsparadigma und Ende des Fortschritts

„Kerstin Stakemeier: (…) Die bürgerliche Annahme eines Fortschritts in der Hochkultur, die der Gesellschaft als ganzer überlegen sei, nivellierte sich mit der objektiv konservativen gesellschaftlichen Stellung der Moderne nach 1945, und in deren zweifelhafter Überwindung in der Gegenwartskunst als reeller Subsumption des Produktionssegments wurde die bloße Aktualität selbst – im Guten wie im Schlechten – zum vorrangigen Qualitätsmerkmal.

Roger Behrens: Hier scheint sich abermals für die Gegenwartskunst spezifisch zu wiederholen, was auch in der allgemeinen Kultur seinen Ausdruck findet: Geschichte – und mit ihr die Ideologie des Fortschritts – wird in Mode aufgehoben. Indes wird Mode auch zum Prinzip der Gegenwartskunst: Ihre Ästhetik ist eben keine des Fortschritts mehr, sondern eine des bloßen Up-to-date-Seins. Die Geschichte als Mode ist gewissermaßen die internationale Version des Gegenwartsbewusstseins, auch in der Kunst. Die nationale hingegen, insbesondere die deutsche, ist Gegenwart als Mythologie.“

(Stakemeier, K. & Behrens, R. (2012): Zur Gegenwartskunst als Industrie. In: Phase2. Zeitschrift gegen die Realität. #43. S. 60.)

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